Berlin | 23. November 2009 | 20 Uhr
Bücher, die die Welt bedeuten
"Unendlicher Spaß” von D. Foster Wallace und "2666” von R. Bolaño
Die Übersetzer Ulrich Blumenbach und Christian Hansen in Lesung und Gespräch mit den Kritikern Ijoma Mangold und Tobias Rapp
Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin
S-Bhf. Wannsee
Eintritt 6 € / 4 €
Roberto Bolaño und David Foster Wallace sind nicht mehr unter uns. Der in Spanien lebende Chilene, 1953 geboren, starb 2003 nach langer Krankheit, David Foster Wallace setzte seinem Leben 2008 mit 46 Jahren ein Ende. Beiden eilte schon zu Lebzeiten der Ruf voraus, Literaturgeschichte geschrieben zu haben. In der Tat: nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung von Bolaños Romanvermächtnis „2666” (aus dem Spanischen von Christian Hansen, Hanser Verlag) und von Wallace's opus magnum „Unendlicher Spaß” (aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach, Kiepenheuer & Witsch) übertreffen sich auch hierzulande die Kritiker mit Superlativen. „'Infinite Jest' ist für den Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts das, was Musils 'Mann ohne Eigenschaften' für das vergangene Jahrhundert war” (FAZ). „Roberto Bolaño ist die große weltliterarische Entdeckung der vergangenen zehn Jahre… Mit '2666' ist etwas wirklich Neues in die Welt gekommen: ein Meilenstein der literarischen Evolution” (Die Zeit). Die geradezu physische Maßlosigkeit der beiden Romane erwächst aus dem Anspruch, entgegen dem Trend zum Einzelschicksalsroman eine Art Summa des 20. Jahrhunderts zu versuchen. Zu beiden Romanen sind lesenswerte deutschsprachige Weblogs entstanden (www.unendlicherspass.de, www.zwei666.de). Besondere Würdigung erhalten – und verdienen! – die Übersetzer Ulrich Blumenbach und Christian Hansen, die in jahrelanger Arbeit in die Kosmen dieser Romane eingetaucht sind und sich der herkulischen Aufgabe einer sprachlichen Übertragung ins Deutsche gestellt haben. Ein Abend mit zwei Übersetzern und zwei Kritikern über weiße Elefanten und über das Übersetzen literarischer Schwerstgewichte.
Eintritt 6 € / 4 €
Eine Gemeinschaftsproduktion des LCB und der Weltlesebühne
Niemandsländer: Übersetzen aus dem Exil
Mit Esther Kinsky (Berlin) und Sven Sellmer (Poznań)
Moderation: Katharina Raabe (Berlin)
Ort: Literaturwerkstatt Berlin
Exil bedeutet für Schriftsteller neben vielem anderen auch den Verlust des alltäglichen Umgangs mit der Sprache, in der sie schreiben und aus der sie schöpfen. Autoren reagieren unterschiedlich auf diesen Verlust - bei manchen erfährt das Verhältnis zur eigenen Sprache zusätzliche Brechungen oder wird noch inniger, andere verlassen ihre Sprache ganz, bevor sie selbst von ihr verlassen werden. Wie gehen Übersetzer mit solchen Verschiebungen um? Und was passiert, wenn sie selbst außerhalb ihrer sprachlichen Heimat leben und arbeiten?
Die Übersetzer Esther Kinsky und Sven Sellmer teilen die Erfahrung des exterritorialen Schreibens mit ihren Autoren: Zygmunt Haupt und Marian Pankowski, beide in Polen geboren, verließen nach Ende des 2. Weltkriegs ihre Heimat und gingen in die USA bzw. nach Belgien. Ihre Bücher legten lange und verschlungene Wege zurück, bevor sie ihr polnisches Publikum erreichten. Den noch längeren Weg zu den deutschen Lesern schildern an diesem Abend Esther Kinsky und Sven Sellmer.
Esther Kinsky (*1956) schreibt Prosa und übersetzt seit über 20 Jahren aus dem Polnischen, Englischen und Russischen. Nach Jahren in England und Ungarn lebt sie heute in Berlin. 2009 erhielt sie den Paul-Celan-Preis für die Übersetzung von Olga Tokarczuks Roman „Unrast" (Schöffling 2009).
Sven Sellmer (*1969) übersetzt Belletristik und wissenschaftliche Literatur aus dem Polnischen, Englischen und Sanskrit. Er lehrt Sanskrit und indische Philosophie an der Universität Poznań.
Katharina Raabe (*1957), ausgebildete Geigerin und Musikwissenschaftlerin, arbeitet seit 2000 als Redakteurin für den Suhrkamp Verlag. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Entdeckung und Förderung osteuropäischer Autoren.
Berlin | 30. September 2009 | 20 Uhr
HIERONYMUS ZU GAST BEI DANTE
Buchhandlung Dante Connection, Oranienstraße 165a, 10999 Berlin
www.danteconnection.de