Freiburg | 7. Dezember 2010 | 20 Uhr
50 Jahre OuLiPo
Georges Perec: Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen
Lesung und Film
Mit dem Übersetzer Tobias Scheffel
Einführung und Moderation: Wolfgang Orlich (Universität Freiburg)
Kinosaal Alter Wiehrebahnhof
Urachstr. 40, 79102 Freiburg
Eintritt: 5,00, ermäßigt 3,00 Euro
Am Anfang stand eine Verabredung zum Essen: Im November 1960 luden Raymond Queneau und François Le Lionnais befreundete Schriftsteller in ein Pariser Restaurant ein. Dies war die Geburtsstunde der Autorengruppe OuLiPo - »Ouvroir de Littérature Potentielle«, der Werkstatt für potentielle Literatur. Ihr Ziel: Spracherweiterung durch formale Zwänge, Revolution der Literatur durch spielerisch-mathematische Regeln. Zu den bekanntesten Autoren von OuLiPo gehören Italo Calvino, Oskar Pastior und Georges Perec.
Das 50. Jubiläum von OuLiPo feiern das Literaturbüro Freiburg, das Centre Culturel Français Freiburg und das Frankreich-Zentrum der Universität Freiburg mit einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe.
Vom 18. bis 20. Oktober 1974 lässt sich Georges Perec zu unterschiedlichen Tageszeiten in den Cafés an der Place St. Sulpice nieder und notiert mit brennender Geduld, was im pulsierenden Durchgangsleben sonst gern übersehen wird. Er registriert, »was passiert, wenn nichts passiert außer Zeit, Menschen, Autos und Wolken«. Unermüdlich neugierig darauf, wie die Wahrnehmungsbilder sein Denken verändern. Eine Liebeserklärung an das Alltägliche.
Tobias Scheffel hat den Text erstmals aus dem Französischen übersetzt. Als Auftakt der Veranstaltungsreihe zum 50. Jubiläum von OuLiPo stellt Scheffel das Buch und seine Übersetzung vor. Anschließend wird der Dokumentarfilm Tentative d'épuisement d'un lieu parisien des französischen Regisseurs Jean-Christian Riff gezeigt. Riff hat Perecs Idee filmisch aufgegriffen und - 33 Jahre nach Perec - drei Tage lang die Geschehnisse rund um die Place St. Sulpice eingefangen, mit Perecs Text als Kommentar im Hintergrund.
Einführung und Moderation: Wolfgang Orlich (Universität Freiburg), Romanist und OuLiPo-Experte.
Georges Perec (1936-1982), geboren in Paris als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer, war Schriftsteller und Filmemacher. Er ist Mitglied der OuLiPo-Gruppe und zählt zu den wichtigsten Vertretern der französischen Nachkriegsliteratur. Tobias Scheffel, mehrfach ausgezeichneter Übersetzer aus dem Französischen, lebt in Freiburg. 2009 erschien seine Übersetzung von Perecs Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten.
Eine Veranstaltung von Literaturbüro Freiburg, Centre Culturel Français Freiburg und Frankreich-Zentrum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Mit freundlicher Unterstützung der Weltlesebühne und des Sportärztebunds Südbaden e. V.
Adelheid Zöfel, Beate Thill, Birgitta Höpken, Christoph Trunk, Cornelia Holfelder-von der Tann, Maja Ueberle-Pfaff, Sabine Grebing und Stefanie Fahrner
Stadtbibliothek Freiburg
Münsterplatz 17, 79098 Freiburg
Eintritt frei
Zum Auftakt der Bücherausstellung ‚In Freiburg übersetzt', die alljährlich im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse in der Stadtbibliothek Freiburg aktuelle Übersetzungen ins Deutsche präsentiert, lesen Übersetzerinnen und Übersetzer aus Freiburg und der Region aus ihren Werken. Ironisch oder ernst beschreiben die thematisch wie ästhetisch vielfältigen Texte große und kleine Katastrophen: Bombenanschläge in Manhattan, den Zusammenbruch der Weltwirtschaft und existenzielle Tragödien in Beruf und Familie. Nach Motiven wie diesen ist das jährliche, attraktive Gewinnspiel als Teil der Lesung nur um so wichtiger. Lassen Sie sich überraschen!
Die Ausstellung ‚In Freiburg übersetzt' ist vom 30.09.-17.10.10 zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek, Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr, zu sehen.Sonntag | 17. Januar 2010 | 19.30 Uhr
Die Frau mit den 5 Elefanten
Swetlana Geier – Dostojewskijs Stimme
Bundesdeutsche Filmpremiere - begleitet mit Lesung und Podiumsgespräch
Mit: Swetlana Geier und Vadim Jendreyko
Moderation: Lerke von Saalfeld (Journalistin)
Theater Freiburg, Großes Haus
Bertoldstraße 46
79098 Freiburg
Eintritt 12,00/7,00 €
Vorverkauf: Theaterkasse, Telefon: 0761 201 28 53, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
"Für das Übersetzen ist die Vorstellung eines Transports keine zureichende Metapher. Es ist kein Transport, weil das Gepäck niemals ankommt. Mich haben immer die Verluste interessiert. Mich hat das interessiert, was immer jenseits des Neuen, des Übersetzten bleiben muss." (Swetlana Geier)
Puschkin, Gogol, Tolstoi, Solschenizyn, Platonov, Belyj, Tschukowskaja, Sinjawskij, Afanasjew, Wojnowitsch, Katajew, Bunin, Bulgakow und Dostojewskij – Meilensteine des von internationalen Preisen gekrönten Lebenswerkes von Swetlana Geier, einer der bedeutendsten Übersetzerinnen russischer Sprache.
Ihr Leben wurde von Europas wechselvoller Geschichte überschattet: Sie wurde 1923 in der Ukraine geboren, ihr Vater wurde 1938 im Zuge von Stalins Großer Säuberung verhaftet und starb 1939 an den Folgen der Haft. Während der Besetzung der Ukraine arbeitete sie als Dolmetscherin und wurde 1943 mit ihrer Mutter in ein Ostarbeiterlager in Dortmund interniert. Nach dem Krieg ließ sie sich in Günterstal nieder und nahm ein Studium der Literaturwissenschaft und vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Freiburg auf. In den fünfzigen Jahren beginnt sie ihre übersetzerische Tätigkeit, deren Höhepunkt die Neuübertragungen von Dostojewskijs fünf großen Romanen, den „fünf Elefanten“, bilden. Heute blickt sie zudem auf 40 Jahre Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten zurück.
Im Alter von 85 Jahren besuchte Swetlana Geier zum ersten Mal seit Ende des Krieges Orte ihrer Kindheit in der Ukraine. Der Regisseur Vadim Jendreyko begleitete sie. Der daraus entstandene Film „Die Frau mit den 5 Elefanten“ verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlichen Mittlerin zwischen den Sprachen nach. Vor der deutschen Filmpremiere wird Swetlana Geier aus ihrer gerade erschienenen Neuübersetzung von Dostojewskijs »Der Spieler« vorlesen.
Im Anschluss stellen sich Swetlana Geier und Vadim Jendreyko den Fragen der Journalistin Lerke von Saalfeld.
Eine Veranstaltung von Literaturbüro Freiburg, Kommunales Kino Freiburg, Theater Freiburg und Weltlesebühne e.V.