Weltlesebühne e.V.
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Das Unvorstellbare übersetzen

Die Übersetzerinnen Larissa Bender und Leonie Nückell über „Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land“ von Samar Yazbek.

Moderation: Sabine Müller

Larissa Bender und Leonie Nückell haben gemeinsam Erfahrungsberichte aus Gaza übersetzt. Berichte, in denen unmittelbar von Grausamkeiten, Verlusten, Zerstörung und gezielter Vernichtung die Rede ist. Wie ist der Weg solcher Texte ins Deutsche? Welche Gefahren birgt er, wie schafft man es, bei der Übersetzung nicht selbst unter die Räder zu kommen? Und können solche Übersetzungen angesichts der beschriebenen Brutalität Empathie hervorrufen oder stoßen sie eher auf Ablehnung und Ignoranz?

2024 interviewte die Journalistin Samar Yazbek Überlebende aus dem Gazastreifen. Menschen, die von Bomben und Raketen verstümmelt wurden, die ihre Familien und ihre Heimat verloren. Ihr Ziel war es, der Perspektive dieser Menschen eine Stimme zu geben. Dieser Stimme haben Larissa Bender und Leonie Nückell eine deutsche Stimme an die Seite gestellt.
Die beiden Übersetzerinnen werden berichten, auf welche Schwierigkeiten sie bei der Übersetzung gestoßen sind. Aufgrund der erlittenen Traumata waren etwa einige der Interviewten nicht in der Lage, ihre Geschichten chronologisch zu erzählen. Wie ist das, wenn man beim Übersetzen Dinge erahnen muss? Kann man das? Und kann man sich das Grauen beim Übersetzen physisch und psychisch vom Leib halten? Wie schafft man es, dabei nicht den Mut zu verlieren?

Larissa Bender ist Übersetzerin für Arabisch, Arabischdozentin und Journalistin. In den letzten Jahren hat sie vorwiegend syrische Autor*innen übersetzt, zuletzt aber auch zwei Romane aus dem Sudan.
Für ihre Übersetzungen hat sie zahlreiche Stipendien erhalten und wurde zuletzt mit dem Scheich-Hamad-Preis für ihre Übersetzung von »Das Schneckenhaus« von Mustafa Khalifa ausgezeichnet.
2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Leonie Nückell studierte Arabistik und Soziologie in Bochum, Hamburg, Tunis und Leipzig. Seit 2018 übersetzt sie arabischsprachige Lyrik, Prosa, Theaterstücke und Kinderbücher ins Deutsche. Seit 2023 beschäftigt sie sich zudem mit Audioproduktionen und den Eigenheiten gehörter Sprache. Sie übersetzt aus dem Hocharabischen und verschiedenen arabischen Dialekten, insbesondere aus dem Tunesischen und Sudanesischen.

Sabine Müller ist Übersetzerin für Indonesisch und Englisch und tätig als Redakteurin für Online- und Printmedien und als Indonesischdozentin. Sie studierte Ethnologie, Malaiologie und Soziologie in Köln sowie Indonesisch an der Gadjah Mada Universität in Yogyakarta.

Samar Yazbek ist eine syrische Schriftstellerin, die Syrien 2011 verlassen musste, nachdem sie die Ereignisse der syrischen Revolution dokumentierte und daraufhin bedroht wurde. Aus ihren Beobachtungen und Interviews sind zwei Bücher entstanden, „Schrei nach Freiheit“ und „Die gestohlene Revolution“. Im Herbst erscheint darüber hinaus ihr dritter Roman auf Deutsch, alle von Larissa Bender übersetzt.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Siebter Himmel. Gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds e.V. und das Kulturamt der Stadt Köln.

Köln
30. September 2026 | 19:00 Uhr
Veranstaltungsort

Buchhandlung Siebter Himmel
Brüsseler Straße 65, 50672 Köln

Eintritt

frei