Weltlesebühne e.V.

Fotos: les2photographes.com / Maurice Goufrani

Warum Tiger keine Sterne und Autorinnen keine Übersetzerinnen fressen

Die Autorin Cécile Oumhani im Gespräch mit ihren Übersetzerinnen Regina Keil-Sagawe und Tanja Langer

Mit Cécile Oumhani, die bald als belgische, bald als franko-britische oder tunesische Autorin verortet wird, steht auf Schritt und Tritt die Frage nach der Identität der Schreibenden im Raum. Tiefgreifend geprägt von langen Kindheitsaufenthalten bei der Familie ihrer Mutter im anglophonen Kanada, erlebt sie früh Irritation und Vertrautheit im Wechselbad verschiedener Kulturen. So wird ihr die Begegnung mit Tunesien als junge Erwachsene fast schon selbstverständlich und bereichert ihre Vorstellungskraft ebenso wie Jahrzehnte später ihre Annäherung an Indien auf den Spuren ihrer Vorfahren, britischer Kolonialbeamter, die sie erstmals im aktuellen Roman „Denn Tiger fressen keine Sterne“ (Schiler & Mücke 2025) thematisiert.

Im Gespräch mit ihren Übersetzerinnen Regina Keil-Sagawe (in Frankfurt, Göttingen, Heidelberg) und Tanja Langer (in Berlin) reflektiert sie das Leben, das Schreiben und Übersetzen zwischen den Kulturen am Beispiel dieses schmalen Indienromans, in dem sie mit scheinbar leichter Hand eine Fülle von Lebensläufen zwischen Berlin, Kalkutta und Kabul auffächert.

Ergänzt wird der Roman durch den aktuellen Essayband „Ma mère et l’amour de l’écriture“/ „Meine Mutter und die Liebe zum Schreiben“ (Bübül 2025), der sich zusammen mit dem 2024 gleichfalls bei Bübül erschienenen und von Tanja Langer übersetzten Künstler-Essay „Ma mère et la peinture“ / „Meine Mutter und die Malerei“ als dessen (auto)biographische Unterfütterung lesen lässt.

Cécile Oumhani, 1952 in Namur (Belgien) geboren, ist eine renommierte französisch-britisch-tunesische Schriftstellerin aus kosmopolitischem Elternhaus. Ihre Mutter war die schottisch-belgische Malerin Madeleine Vigné-Philipp, ihr Vater ein französischer Mathematiker und Hobby-Archäologe. Oumhani studierte Anglistik mit dem Schwerpunkt Postcolonial Studies und Female Writing und lehrte als Maître de Conférences an der Université Paris-Est Créteil, bis sie selber 1995 zum literarischen Schreiben fand.
Für ihr umfangreiches Œuvre, 17 französische Lyrikbände, 9 Romane, 3 Essays sowie 3 französische und englische Short-Story-Bände, in denen sie feinfühlig den vielfältigen Vernetzungen von Sprachen und Kulturen, Schreiborten und Lebenswelten zwischen Kanada und Kerala, Frankreich und Tunis nachspürt, erhielt sie zahlreiche Literaturpreise, nicht zuletzt, für ihr Gesamtwerk, den europäischen Literaturpreis der Frankophonie „Virgile“.
Oumhani ist Gründungsmitglied des europäischen Schriftstellerinnenparlaments und Redaktionsmitglied des internationalen Kulturmagazins „Apulée“. Sie lebt in Paris.

Regina Keil-Sagawe, 1957 in Bochum geboren, studierte Romanistik und Germanistik in Bonn und Paris; sie übersetzt seit über 35 Jahren Literatur aus dem frankophonen Maghreb, u.a. Titel von Habib Tengour und Mohammed Dib, Driss Chraïbi und Albert Memmi, Boualem Sansal und Azouz Begag, Yasmina Khadra und Mahi Binebine. Von Cécile Oumhani übertrug sie zuvor den Roman „Tunisian Yankee“ (Osburg 2018) ins Deutsche. Sie lebt in Heidelberg, kuratiert dort seit 2007 den „Maghrebtag“ und etablierte 2012 die „Weltlesebühne“ in Heidelberg. Im Sommersemester 2026 bekleidet sie eine DÜF-Gastdozentur an der Universät Göttingen.

Tanja Langer, 1962 in Wiesbaden geboren, studierte Komparatistik und Kunstgeschichte, Philosophie und Politologie in München, Paris und Berlin. Sie arbeitet(e) als Fotografin und Journalistin, Theaterregisseurin und Ausstellungskuratorin, als Textdichterin für Neue Musik und als Romanautorin zu Themen wie Erinnerung und Geschichte, Identität, Liebe, Verlust und Kunst, z.B. zu Heinrich von Kleist und Edvard Munch. Ihre Werke wurden ins Französische und Schwedische, ins Litauische, Englische, Italienische und Polnische übersetzt. 2016 gründet sie den Bübül-Verlag für anspruchsvoll-verspielte Literatur und Kunst und gibt dort eine bilinguale Reihe mit Texten u.a. von Pajand Soleymani (iranisch-deutsch), Miguel Maldonado (spanisch-deutsch), Habib Tengour (französisch-deutsch) oder eben auch Cécile Oumhani heraus, deren oben erwähnte Essays sie weitgehend persönlich ins Deutsche übertrug. Sie lebt in Berlin.

Diese Veranstaltung ist Teil einer Lesereise, auf deren Stationen Cécile Oumhani mit ihren Übersetzerinnen Regina Keil-Sagawe und Tanja Langer ins Gespräch kommt.

Termine:

15.4., 19:30 Uhr, studio pompette Buch & Wein, Frankfurt am Main (mit Regina Keil-Sagawe)
16.4., 14 Uhr, Georg-August-Universität Göttingen (mit Regina Keil-Sagawe)
17.4., 19 Uhr, GOLDA Books and more, Berlin-Mitte (mit Tanja Langer, Bübül Verlag, und Regina Keil-Sagawe)
18.4., 18 Uhr, Walthers Buchladen, Berlin-Steglitz (mit Tanja Langer, Bübül Verlag und Tim Mücke, Verlag Schiler und Mücke)
20.4., 20 Uhr, Buchhändlerkeller, Berlin-Charlottenburg (mit Tanja Langer, Bübül Verlag und Tim Mücke, Verlag Schiler und Mücke)
21.4., 19 Uhr, Museum Haus Cajeth, Heidelberg (mit Regina Keil-Sagawe)
23.4., 20 Uhr, Club Voltaire, Tübingen (mit Hans Schiler und Tim Mücke, Verlag Schiler und Mücke)

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis der Buchhandlung Buch & Wein/Frankfurt, dem Bübül Verlag Berlin und dem Verlag Schiler & Mücke Berlin/Tübingen. Gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds. Dem Kulturamt der Stadt Frankfurt sei Dank für die freundliche Unterstützung.

Frankfurt am Main
15. April 2026 | 19:30 Uhr
Veranstaltungsort

studio pompette Buch & Wein
Berger Straße 122
60316 Frankfurt am Main

Eintritt

8 Euro

Link zum Veranstalter vor Ort: hier klicken